9.6. Die Einweihung in den 32. Grad

Der Begriff Einweihung wurde in diesem Buch schon öfters benutzt. Wir kennen ihn aus dem praktischen Leben, wenn zum Beispiel ein öffentliches Gebäude fertiggestellt wird und dann in Anwesenheit von führenden Persönlichkeiten mit einer feierlichen Zeremonie „eingeweiht“ wird. Wenn man in einem solchen Zusammenhang von Einweihung spricht, hat dies ein kleines Körnchen Wahrheit, das aber nur noch sehr entfernt an das erinnert, was früher mit einer Einweihung innerhalb der Pyramide gemeint war. Dem Sinn kommt man näher, wenn der primäre Wortstamm „Weihe“ zu Hilfe genommen wird, unter dem man eine heilige Handlung versteht, die in der Regel mit einem Ritual verbunden war. Bei dem obigen Beispiel kommt es ebenfalls zu einem Ritual, nämlich wenn eine ausgewählte Persönlichkeit ein vor den Eingang gespanntes Band durchschneidet. Auch das Schulwesen lebt mit Ritualen, z.B. Abschlußprüfungen und Zeugnisübergabe.

Das Gemeinsame an der heutigen und der früheren Bedeutung liegt im Tatbestand, daß eine vorhergehende Etappe mit einem Ritual abgeschlossen wird. Priesterschüler und bereits „Eingeweihte“ einer höheren Stufe schlossen ihre komplexe Ausbildung ebenfalls mit einer Abschlußprüfung ab, die gleichzeitig auch das heilige Ritual darstellte. In dieser Prüfung wurde nicht so sehr auf erreichtes Wissen Wert gelegt, sondern vielmehr auf erreichte geistige und außersinnliche Fähigkeiten. Von Beginn an wurde deshalb auf eine komplexe Ausbildung wertgelegt, die für uns heute fremd ist. Die Zielrichtung der Ausbildung bestand nicht im Abschluß der 1. Klasse bis zur 33. Klasse (!), sondern darin, die in „Wege“ eingeteilte Ausbildung zu bestehen. Dieser selbst war dreigliedrig und wurde, man höre und staune, von der kosmischen Spirale (siehe Abbildung 42) abgeleitet. Diese Spirale besitzt drei Hauptachsen, denen jeweils ein Name und somit eine Zielrichtung der Ausbildung zugeordnet wurde. Diese wird, nun unter einem vollkommen neuen Aspekt, von der in Abbildung 81 dargestellten Spirale verdeutlicht.

 

Abbildung 81: Die Spirale der 6 und die Ausbildungswege

Um einem Mißverständnis vorzubeugen: Die Zahlen auf der Spirale entsprechen nicht der Anzahl der Ausbildungsjahre und auch nicht den Einweihungsgraden. Da die Ausbildung sehr komplex war, gehörten zu jedem Einweihungsgrad fortschreitend immer 3 Schritte auf der Spirale. Das heißt, pro „Einweihungsabschnitt“ bzw. Ausbildungsjahr wurden Inhalte aller drei Wege vermittelt. Nicht anders wird es heute praktiziert, denn Hauptfächer wie Mathematik und Deutsch werden in allen Schuljahren gelehrt. Es wäre undenkbar, ein bestimmtes Fach zwei Jahre auszusetzen, um es danach wieder aufzugreifen und mit neuem Lehrstoff fortzufahren, denn in der Zwischenzeit wäre zu viel vergessen worden.

Bezogen auf die sechsgeteilte Spirale hat dies zur Konsequenz, daß pro Einweihungsgrad auf der Spirale stets eine halbe „Runde“ abgearbeitet wurde. Bei 33 Graden entspricht dies einem Fortschreiten bis zur Zahl 99, wozu 16,5 (!) Spiralumläufe benötigt wurden. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß das Unterteil des Sarkophags in der Königskammer innen 1,65 KE hoch ist, was nun, im Zusammenhang mit den Spiralumläufen, eine völlig neue Bedeutung bekommt. Im Prinzip muß dies noch deutlicher formuliert werden, denn hier liegt die primäre Begründung dafür, warum für die Innenhöhe des Sarkophags der zehnte Teil von 16,5 als Maß festgelegt wurde: In der Königskammer fand die Einweihung in den 33. Grad statt.

Der Autor Karl-Heinz Zunneck führt an, daß „die Ägyptische Maurerei oft vernachlässigt wird, weil man glaubt, sie habe keine Bedeutung mehr oder sei als extremer Auswuchs der neuzeitlichen Freimaurer-Bewegung zu sehen. Diese Form der Maurerei wird durch ein besonderes Hochgrad-System verkörpert, das nach unterschiedlichen Angaben, die man in der Literatur finden kann, über 90, 97 oder gar 99 Grade verfügt...“

Hier erkennen wir, daß aus der tiefen Geschichte Erkenntnisse überliefert sind, die tatsäch­lich ihren Ursprung in Ägypten haben, also in keiner Weise neuzeitliche Erscheinungsform sind, aber fälschlicherweise werden die 99 Teilwege mit Einweihungsgraden gleichgesetzt. Daß diese Zuordnung nicht korrekt ist, konnte nun durch die Prinzipien der heiligen Geometrie aufgeklärt werden, denn es gab ursprünglich 33 Grade, nicht mehr und nicht weniger!

Im weiteren Verlauf ist es angebracht, auf die Bedeutung der Zahl 165 bzw. der Ziffernfolge 1-6-5 einzugehen, die hinsichtlich ihrer Qualität im umfassenden Sinne schwer zu erfassen ist. Ein Teilaspekt betrifft mit Sicherheit die dauerhafte und ständige Verbindung zur eigenen Seele, vom sogenannten unbewußten „Ich“ bis hin in zeitlose höhere Schwingungs­dimensionen. Das ist jener Aspekt, dem wahre Weisheit entspringt, weil sie in weiser Voraussicht die Konsequenzen des eigenen Handelns erkennt. Somit wurde erst der Hocheingeweihte zum wahren Weisen. Die Benutzung des Begriffs „Weiser“ ist deshalb in der heutigen Zeit absolut unangebracht, da es wahre Weise nicht mehr gibt!

In Abbildung 81 wurden erstmalig die Namen dieser drei Ausbildungs- bzw. Einweihungswege aufgeführt, die dementsprechend mit drei Hauptzielen in Verbindung stehen. Diese sind: 

·        Weg des Osiris:         Aneignung von Wissen einschließlich „kosmischen  Wissens“

·        Weg der Isis:  Ausbildung von Fähigkeiten zur Beherrschung des Geistes über die Materie und über den eigenen Körper

·        Weg des Horus:         Ausbildung geistiger und übersinnlicher Fähigkeiten, Öffnung des dritten Auges, Beherrschung der weisen Voraussicht

Mit bewußter Absicht wurden den Achsen mathematische Vorzeichen hinzugefügt, die hier als positiver (+), negativer (-) und neutraler Aspekt (±) zu verstehen sind. Auf diese Weise erhielt jeder Hauptweg auch die Erfahrung polarer Gegensätze. Obendrein wurde jede Zahl in einer anderen Betrachtungsweise in sich selbst als polar betrachtet (+1 und –1; +2 und –2 usw.). Wie bereits in Abschnitt 3.4. erwähnt wurde, ist jegliche Symbolik und damit jede Zahl mit einer Polarität verbunden, was der Priesterschüler bereits im ersten Grad erlernte. Deswegen hätte er auch niemals Angst vor einer angeblich „bösen 13“ gehabt, da er die Bedeutung dieser Zahl im positiven Sinne kannte.

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Nach diesen Vorbemerkungen soll nun der große Schritt in den 32. Grad beschrieben werden. Dieser besaß als Einweihungsgrad seine Selbständigkeit, hatte jedoch auch eine zusätzliche Funktion für den 33. Grad. Im letzten Grad mußte die Prozedur des 32. Grades als integraler Bestandteil nochmals durchlaufen werden, sozusagen als Aufwärmphase für den schwierigsten und letzten Teil.

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Nun könnte man meinen, daß nach diesen vielen Betrachtungen zum Einweihungsweg die Kammer wieder verlassen werden könnte. Es fehlt aber noch etwas Entscheidendes, welches auf Abbildung 85 zu sehen ist. Dort wird auf einen ungewöhnlich versteckten Zusammenhang hingewiesen, der etwas mit Flächen zu tun hat, die aus diesem Grunde farblich markiert wurden.

Abbildung 85: Der komplette Einweihungsweg innerhalb der Königinnenkammer

Sowohl unterhalb der Mittelachse als auch oberhalb derjenigen Achse, auf der die Wegführung in den Gang verläuft, wurden die beiden Flächen A2 und A’2 sowie A3 und A’3 hellgrau hinterlegt. Die zwei jeweils zusammengehörigen Dreiecke (ein großes und ein kleines) besitzen zusammen eine Fläche von 13 KE². Die beiden nebeneinander liegenden Rechtecke A1 und A’1 wurden dunkelgrau hinterlegt und besitzen jeweils eine Fläche von 3 KE².

Betrachtet man nun die Flächen beidseitig der „Einweihungsachse“, entsteht eine Proportion, die innerhalb der Cheopspyramide von dominanter Bedeutung ist. Dieses Verhältnis 3 : 13 bestimmt die Wegführung von der Vorderkante der Plattform am Ende der Großen Galerie bis hin zum Eingang in die Königskammer. Dort ist die Plattform 3 KE und der restliche Weg durch die Vorkammer hindurch 13 KE lang! In völlig anderer Form wird in der Königinnenkammer dieser spätere Weg hier als Flächenproportion vorweggenommen. Damit aber nicht genug. Addiert man alle Teilflächen, erhält man die Summe von 2 × 16 = 32 KE², wodurch erneut das bisherige Erreichen des 32. Grades dokumentiert wird.

Die 33. Steinschicht des Basismauerwerks untermauert die getroffene Aussage, daß bei der Einweihung in den 33. Grad diese Kammer nochmals durchlaufen werden muß. Diese 1,32 KE dicke Schicht befindet sich mit 0,21 KE im Giebelbereich der Kammer, während 1,11 KE darüber liegen. Diese Zahl selbst enthält zusätzlich Hinweise für beide Grade, denn nach dem Komma steht 32 und addiert man die 1 vor dem Komma hinzu, erhält man den letzten Grad. Auf wiederum neue Weise wird symbolisiert, daß der 33. Grad nicht in dieser Ebene erreicht werden kann. Deswegen muß der Einzuweihende die Kammer wieder verlassen, um in der darüber befindlichen Ebene, in der Königskammer, den krönenden Abschluß zu finden!

Neben diesen Teilergebnissen fallen die beiden 5:1-Proportionen auf, die sich einerseits durch die Teilung der Königinnenkammer über die Mittelachse ergeben sowie über die Hypotenusen der hellgrau hinterlegten Dreiecke. Deren Hypotenusen werden über den Satz des Pythagoras berechnet. Kurios ist – obwohl mathematisch logisch –, daß die beiden Wurzelwerte exakt dieses Verhältnis ergeben: .

Eine letzte Aussage zu diesem Einweihungsweg soll hier noch angefügt werden. Der Gesamtaufenthalt in der Königinnenkammer betrug 6 Stunden. Zusammen mit dem Einweihungsweg in der Königskammer ergibt dies einen noch später zu erkennenden Sinn.

Die bisher absolvierte Wegstrecke ergänzt sich nun zu 354 KE:

·         204 KE bis Eingang Große Galerie

·           78 KE bis Eingang Königinnenkammer

·           72 KE Einweihungsweg innerhalb der Königinnenkammer

gesamt 354 KE

Damit finden wir erneut jene Zahl vor, die wir aus der Umhüllung der Königinnenkammer mit 12 Steinschichten (24. bis 35.) als Summe der Zahlen von 24 bis 35 = 345 ableiteten.

Der Rückweg erfolgt nun auf dem gleichen Weg bis zum Fuß der Pyramide, womit genau 600 KE Weglänge erreicht werden. Es wurde bereits gezeigt, daß der Einzuweihende noch weitere 39 = 3 × 13 KE in einem rechten Winkel außerhalb der Pyramide zu gehen hat, bis ihn die Priester ehrenvoll empfangen und beglückwünschen.

Dieses letzte Teilstück wird mit der bisher so dominierenden Zahl 27 als gerade Wegstrecke gelaufen, um dann, nach einem rechten Winkel, nach 12 KE den Abschluß zu finden. Insgesamt beläuft sich der Einweihungsweg in den 32. Grad auf insgesamt 639 KE. Das Besondere dieser Größe liegt in ihrer Spiegelung 639–936, denn die Oberkante der Königskammer liegt bei 93,6 KE. Von dieser Konstellation ausgehend, ist zu erwarten, daß der Einweihungsweg in den 33. Grad noch eine Überraschung bereithält (siehe Abschnitt 9.11.).

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Insgesamt veranschaulicht der Einweihungsweg in der Königinnenkammer, daß der Transformationsprozeß für den Einzuweihenden bereits hier eingeleitet, aber eine Etage höher in der Königskammer vollständig abgeschlossen wird. Aus anderer Sichtweise verdeutlicht es auch, daß der Eingeweihte bereits ein sehr hohes, kosmisches Wissen besitzt (siehe: Rat der 12 Weisen), der letzte Schritt – die dauerhafte, geistig bewußte Verbindung zu Gott – aber noch fehlt. Dies zu erreichen, was Sinn und Zweck der Einweihung im 33. Grad innerhalb der Königskammer.

Wenn auch einerseits mit einer Menge an Datenmaterial bewiesen werden konnte, daß Wegführung und Konstruktion der Pyramide in einer homogenen Einheit geplant waren, so können andererseits die verschiedensten Abschnitte des Einweihungsweges gegenwärtig nur im begrenzten Maße interpretiert werden. Das reicht aber aus zu erkennen, daß der Mystik eine Bedeutung zukommt, die unser heutiges Verständnis arg strapaziert. Gleichzeitig zeigen die mystischen Inhalte, daß die Planer der Pyramide über ein kosmisches Wissen verfügten, welches unser wissenschaftliches Wissen in Verlegenheit bringt. Es sei deshalb hier die Frage gestattet: Was würden wir sagen, wenn bewiesen werden könnte,

·        daß hinter dieser ganzen Symbolik ein Wissen höherer Dimensionen verborgen ist,

·        daß höhere Dimensionen allein durch veränderte Schwingungsmuster, abweichend von der uns bekannten dritten Dimension, entstanden sind und dort ebenfalls Lebensformen existieren,

·        daß, kosmisch betrachtet, Quantitäten und Qualitäten in einem untrennbaren, uns aber verborgenen Zusammenhang stehen?

Wenn wir all diese Beweise hätten, würden wir keinerlei Probleme haben, Zahlen so zu interpretieren, wie es bisher in diesem Buch getan wurde. Wir würden ehrfurchtsvoll die Pyramiden als Bauwerke akzeptieren, in denen höheres Wissen in Stein manifestiert wurde, und wir würden begreifen, daß mystisches und mythisches Wissen in den verschiedensten Orden überliefert wurde, welches leider im Verlaufe der Geschichte immer spärlicher wurde und heute nur noch in rudimentären Ansätzen vorhanden ist ...

Überlebt hat lediglich ein winziger Teil der äußeren Form, der in Ritualen an jene ferne Zeit erinnert, als uns die „Götter“ das Wissen gaben.

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