Der Begriff Einweihung
wurde in diesem Buch schon öfters benutzt. Wir kennen ihn aus dem praktischen
Leben, wenn zum Beispiel ein öffentliches Gebäude fertiggestellt wird und dann
in Anwesenheit von führenden Persönlichkeiten mit einer feierlichen Zeremonie
„eingeweiht“ wird. Wenn man in einem solchen Zusammenhang von Einweihung
spricht, hat dies ein kleines Körnchen Wahrheit, das aber nur noch sehr
entfernt an das erinnert, was früher mit einer Einweihung innerhalb der
Pyramide gemeint war. Dem Sinn kommt man näher, wenn der primäre Wortstamm
„Weihe“ zu Hilfe genommen wird, unter dem man eine heilige Handlung versteht,
die in der Regel mit einem Ritual verbunden war. Bei dem obigen Beispiel kommt
es ebenfalls zu einem Ritual, nämlich wenn eine ausgewählte Persönlichkeit ein
vor den Eingang gespanntes Band durchschneidet. Auch das Schulwesen lebt mit
Ritualen, z.B. Abschlußprüfungen und Zeugnisübergabe.
Das
Gemeinsame an der heutigen und der früheren Bedeutung liegt im Tatbestand, daß
eine vorhergehende Etappe mit einem Ritual abgeschlossen wird. Priesterschüler
und bereits „Eingeweihte“ einer höheren Stufe schlossen ihre komplexe
Ausbildung ebenfalls mit einer Abschlußprüfung ab, die gleichzeitig auch das
heilige Ritual darstellte. In dieser Prüfung wurde nicht so sehr auf erreichtes
Wissen Wert gelegt, sondern vielmehr auf erreichte geistige und außersinnliche
Fähigkeiten. Von Beginn an wurde deshalb auf eine komplexe Ausbildung
wertgelegt, die für uns heute fremd ist. Die Zielrichtung der Ausbildung
bestand nicht im Abschluß der 1. Klasse bis zur 33. Klasse (!), sondern darin,
die in „Wege“ eingeteilte Ausbildung zu bestehen. Dieser selbst war
dreigliedrig und wurde, man höre und staune, von der kosmischen Spirale (siehe
Abbildung 42) abgeleitet. Diese Spirale besitzt drei Hauptachsen, denen jeweils
ein Name und somit eine Zielrichtung der Ausbildung zugeordnet wurde. Diese
wird, nun unter einem vollkommen neuen Aspekt, von der in Abbildung 81
dargestellten Spirale verdeutlicht.

Abbildung
81: Die Spirale der 6 und die Ausbildungswege
Um einem
Mißverständnis vorzubeugen: Die Zahlen auf der Spirale entsprechen nicht der
Anzahl der Ausbildungsjahre und auch nicht den Einweihungsgraden. Da die
Ausbildung sehr komplex war, gehörten zu jedem Einweihungsgrad fortschreitend immer
3 Schritte auf der Spirale. Das heißt, pro „Einweihungsabschnitt“ bzw.
Ausbildungsjahr wurden Inhalte aller drei Wege vermittelt. Nicht anders wird es
heute praktiziert, denn Hauptfächer wie Mathematik und Deutsch werden in allen
Schuljahren gelehrt. Es wäre undenkbar, ein bestimmtes Fach zwei Jahre
auszusetzen, um es danach wieder aufzugreifen und mit neuem Lehrstoff
fortzufahren, denn in der Zwischenzeit wäre zu viel vergessen worden.
Bezogen auf
die sechsgeteilte Spirale hat dies zur Konsequenz, daß pro Einweihungsgrad auf
der Spirale stets eine halbe „Runde“ abgearbeitet wurde. Bei 33 Graden
entspricht dies einem Fortschreiten bis zur Zahl 99, wozu 16,5 (!)
Spiralumläufe benötigt wurden. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß das
Unterteil des Sarkophags in der Königskammer innen 1,65 KE hoch ist, was nun,
im Zusammenhang mit den Spiralumläufen, eine völlig neue Bedeutung bekommt. Im
Prinzip muß dies noch deutlicher formuliert werden, denn hier liegt die primäre
Begründung dafür, warum für die Innenhöhe des Sarkophags der zehnte Teil von
16,5 als Maß festgelegt wurde: In der Königskammer fand die Einweihung in den
33. Grad statt.
Der Autor
Karl-Heinz Zunneck führt an, daß „die Ägyptische Maurerei oft vernachlässigt
wird, weil man glaubt, sie habe keine Bedeutung mehr oder sei als extremer
Auswuchs der neuzeitlichen Freimaurer-Bewegung zu sehen. Diese Form der
Maurerei wird durch ein besonderes Hochgrad-System verkörpert, das nach
unterschiedlichen Angaben, die man in der Literatur finden kann, über 90, 97
oder gar 99 Grade verfügt...“
Hier erkennen
wir, daß aus der tiefen Geschichte Erkenntnisse überliefert sind, die tatsächlich
ihren Ursprung in Ägypten haben, also in keiner Weise neuzeitliche
Erscheinungsform sind, aber fälschlicherweise werden die 99 Teilwege mit
Einweihungsgraden gleichgesetzt. Daß diese Zuordnung nicht korrekt ist, konnte
nun durch die Prinzipien der heiligen Geometrie aufgeklärt werden, denn es gab
ursprünglich 33 Grade, nicht mehr und nicht weniger!
Im weiteren
Verlauf ist es angebracht, auf die Bedeutung der Zahl 165 bzw. der Ziffernfolge
1-6-5 einzugehen, die hinsichtlich ihrer Qualität im umfassenden Sinne schwer
zu erfassen ist. Ein Teilaspekt betrifft mit Sicherheit die dauerhafte und
ständige Verbindung zur eigenen Seele, vom sogenannten unbewußten „Ich“ bis hin
in zeitlose höhere Schwingungsdimensionen. Das ist jener Aspekt, dem wahre
Weisheit entspringt, weil sie in weiser Voraussicht die Konsequenzen des
eigenen Handelns erkennt. Somit wurde erst der Hocheingeweihte zum wahren
Weisen. Die Benutzung des Begriffs „Weiser“ ist deshalb in der heutigen Zeit
absolut unangebracht, da es wahre Weise nicht mehr gibt!
In Abbildung
81 wurden erstmalig die Namen dieser drei Ausbildungs- bzw. Einweihungswege
aufgeführt, die dementsprechend mit drei Hauptzielen in Verbindung stehen.
Diese sind:
·
Weg
des Osiris: Aneignung von Wissen einschließlich
„kosmischen Wissens“
·
Weg
der Isis: Ausbildung von Fähigkeiten zur Beherrschung
des Geistes über die Materie und über den eigenen Körper
·
Weg
des Horus: Ausbildung geistiger und übersinnlicher
Fähigkeiten, Öffnung des dritten Auges, Beherrschung der weisen Voraussicht
Mit bewußter
Absicht wurden den Achsen mathematische Vorzeichen hinzugefügt, die hier als
positiver (+), negativer (-) und neutraler Aspekt (±) zu
verstehen sind. Auf diese Weise erhielt jeder Hauptweg auch die Erfahrung
polarer Gegensätze. Obendrein wurde jede Zahl in einer anderen
Betrachtungsweise in sich selbst als polar betrachtet (+1 und –1; +2 und –2
usw.). Wie bereits in Abschnitt 3.4. erwähnt wurde, ist jegliche Symbolik und
damit jede Zahl mit einer Polarität verbunden, was der Priesterschüler bereits
im ersten Grad erlernte. Deswegen hätte er auch niemals Angst vor einer
angeblich „bösen 13“ gehabt, da er die Bedeutung dieser Zahl im positiven Sinne
kannte.
.....
Nach diesen
Vorbemerkungen soll nun der große Schritt in den 32. Grad beschrieben werden.
Dieser besaß als Einweihungsgrad seine Selbständigkeit, hatte jedoch auch eine
zusätzliche Funktion für den 33. Grad. Im letzten Grad mußte die Prozedur des
32. Grades als integraler Bestandteil nochmals durchlaufen werden, sozusagen
als Aufwärmphase für den schwierigsten und letzten Teil.
.....
Nun könnte
man meinen, daß nach diesen vielen Betrachtungen zum Einweihungsweg die Kammer
wieder verlassen werden könnte. Es fehlt aber noch etwas Entscheidendes,
welches auf Abbildung 85 zu sehen ist. Dort wird auf einen ungewöhnlich
versteckten Zusammenhang hingewiesen, der etwas mit Flächen zu tun hat, die aus
diesem Grunde farblich markiert wurden.

Abbildung
85: Der komplette Einweihungsweg innerhalb der Königinnenkammer
Sowohl
unterhalb der Mittelachse als auch oberhalb derjenigen Achse, auf der die
Wegführung in den Gang verläuft, wurden die beiden Flächen A2 und A’2
sowie A3 und A’3 hellgrau hinterlegt. Die zwei jeweils
zusammengehörigen Dreiecke (ein großes und ein kleines) besitzen zusammen eine
Fläche von 13 KE². Die beiden nebeneinander liegenden Rechtecke A1
und A’1 wurden dunkelgrau hinterlegt und besitzen jeweils eine Fläche
von 3 KE².
Betrachtet
man nun die Flächen beidseitig der „Einweihungsachse“, entsteht eine
Proportion, die innerhalb der Cheopspyramide von dominanter Bedeutung ist.
Dieses Verhältnis 3 : 13 bestimmt die Wegführung von der Vorderkante der
Plattform am Ende der Großen Galerie bis hin zum Eingang in die Königskammer.
Dort ist die Plattform 3 KE und der restliche Weg durch die Vorkammer hindurch
13 KE lang! In völlig anderer Form wird in der Königinnenkammer dieser spätere
Weg hier als Flächenproportion vorweggenommen. Damit aber nicht genug. Addiert
man alle Teilflächen, erhält man die Summe von 2 × 16 = 32 KE², wodurch erneut
das bisherige Erreichen des 32. Grades dokumentiert wird.
Die 33.
Steinschicht des Basismauerwerks untermauert die getroffene Aussage, daß bei
der Einweihung in den 33. Grad diese Kammer nochmals durchlaufen werden muß.
Diese 1,32 KE dicke Schicht befindet sich mit 0,21 KE im Giebelbereich der
Kammer, während 1,11 KE darüber liegen. Diese Zahl selbst enthält zusätzlich
Hinweise für beide Grade, denn nach dem Komma steht 32 und addiert man die 1
vor dem Komma hinzu, erhält man den letzten Grad. Auf wiederum neue Weise wird
symbolisiert, daß der 33. Grad nicht in dieser Ebene erreicht werden kann.
Deswegen muß der Einzuweihende die Kammer wieder verlassen, um in der darüber
befindlichen Ebene, in der Königskammer, den krönenden Abschluß zu finden!
Neben diesen
Teilergebnissen fallen die beiden 5:1-Proportionen auf, die sich einerseits
durch die Teilung der Königinnenkammer über die Mittelachse ergeben sowie über
die Hypotenusen der hellgrau hinterlegten Dreiecke. Deren Hypotenusen werden
über den Satz des Pythagoras berechnet. Kurios ist – obwohl mathematisch
logisch –, daß die beiden Wurzelwerte exakt dieses Verhältnis ergeben:
.
Eine letzte
Aussage zu diesem Einweihungsweg soll hier noch angefügt werden. Der
Gesamtaufenthalt in der Königinnenkammer betrug 6 Stunden. Zusammen mit dem
Einweihungsweg in der Königskammer ergibt dies einen noch später zu erkennenden
Sinn.
Die bisher
absolvierte Wegstrecke ergänzt sich nun zu 354 KE:
·
204
KE bis Eingang Große Galerie
·
78 KE bis Eingang Königinnenkammer
·
72 KE Einweihungsweg innerhalb der
Königinnenkammer
gesamt 354 KE
Damit finden wir
erneut jene Zahl vor, die wir aus der Umhüllung der Königinnenkammer mit 12
Steinschichten (24. bis 35.) als Summe der Zahlen von 24 bis 35 = 345
ableiteten.
Der Rückweg
erfolgt nun auf dem gleichen Weg bis zum Fuß der Pyramide, womit genau 600 KE
Weglänge erreicht werden. Es wurde bereits gezeigt, daß der Einzuweihende noch
weitere 39 = 3 × 13 KE in einem rechten Winkel außerhalb der Pyramide zu gehen
hat, bis ihn die Priester ehrenvoll empfangen und beglückwünschen.
Dieses letzte
Teilstück wird mit der bisher so dominierenden Zahl 27 als gerade Wegstrecke
gelaufen, um dann, nach einem rechten Winkel, nach 12 KE den Abschluß zu
finden. Insgesamt beläuft sich der Einweihungsweg in den 32. Grad auf insgesamt
639 KE. Das Besondere dieser Größe liegt in ihrer Spiegelung 639–936, denn die
Oberkante der Königskammer liegt bei 93,6 KE. Von dieser Konstellation
ausgehend, ist zu erwarten, daß der Einweihungsweg in den 33. Grad noch eine
Überraschung bereithält (siehe Abschnitt 9.11.).
.....
Insgesamt
veranschaulicht der Einweihungsweg in der Königinnenkammer, daß der
Transformationsprozeß für den Einzuweihenden bereits hier eingeleitet, aber
eine Etage höher in der Königskammer vollständig abgeschlossen wird. Aus
anderer Sichtweise verdeutlicht es auch, daß der Eingeweihte bereits ein sehr
hohes, kosmisches Wissen besitzt (siehe: Rat der 12 Weisen), der letzte Schritt
– die dauerhafte, geistig bewußte Verbindung zu Gott – aber noch fehlt. Dies zu erreichen, was Sinn
und Zweck der Einweihung im 33. Grad innerhalb der Königskammer.
Wenn auch
einerseits mit einer Menge an Datenmaterial bewiesen werden konnte, daß
Wegführung und Konstruktion der Pyramide in einer homogenen Einheit geplant
waren, so können andererseits die verschiedensten Abschnitte des
Einweihungsweges gegenwärtig nur im begrenzten Maße interpretiert werden. Das
reicht aber aus zu erkennen, daß der Mystik eine Bedeutung zukommt, die unser
heutiges Verständnis arg strapaziert. Gleichzeitig zeigen die mystischen
Inhalte, daß die Planer der Pyramide über ein kosmisches Wissen verfügten,
welches unser wissenschaftliches Wissen in Verlegenheit bringt. Es sei deshalb
hier die Frage gestattet: Was würden wir sagen, wenn bewiesen werden könnte,
·
daß
hinter dieser ganzen Symbolik ein Wissen höherer Dimensionen verborgen ist,
·
daß
höhere Dimensionen allein durch veränderte Schwingungsmuster, abweichend von
der uns bekannten dritten Dimension, entstanden sind und dort ebenfalls
Lebensformen existieren,
·
daß,
kosmisch betrachtet, Quantitäten und Qualitäten in einem untrennbaren, uns aber
verborgenen Zusammenhang stehen?
Wenn wir all
diese Beweise hätten, würden wir keinerlei Probleme haben, Zahlen so zu
interpretieren, wie es bisher in diesem Buch getan wurde. Wir würden
ehrfurchtsvoll die Pyramiden als Bauwerke akzeptieren, in denen höheres Wissen
in Stein manifestiert wurde, und wir würden begreifen, daß mystisches und
mythisches Wissen in den verschiedensten Orden überliefert wurde, welches
leider im Verlaufe der Geschichte immer spärlicher wurde und heute nur noch in
rudimentären Ansätzen vorhanden ist ...
Überlebt hat
lediglich ein winziger Teil der äußeren Form, der in Ritualen an jene ferne
Zeit erinnert, als uns die „Götter“ das Wissen gaben.