Im September
2003 schlug mir mein ägyptischer Helfer Atia Abu Basha vor, die Rote Pyramide in Dahschur
anzusehen. Nachdem ich einige Tage zuvor in Gizeh und
in Sakkara bei fast 40°C eine beträchtliche Menge
Schweiß verloren hatte und mir die Hitze kaum noch Probleme bereitete, sah ich
diesen Ausflug als eine interessante Abwechslung in meinem bisherigen Programm
an. Den meisten Touristen ist die Rote Pyramide unbekannt, da die
Besichtigungstouren der Reiseveranstalter selten an dieser Pyramide
vorbeiführen. Dabei ist sie hinsichtlich ihrer Grundfläche die zweitgrößte
Pyramide in Ägypten und wird nur wegen ihres geringeren Neigungswinkels von der
Chephren-Pyramide im Gesamtvolumen vom zweiten Platz
verdrängt.
Abbildung 46:
Die Rote Pyramide von Dahschur
Die
Ägyptologen schreiben die Rote Pyramide Snofru zu,
dem ersten König der 4. Dynastie und Vater von Cheops. Man nimmt an, daß der Bau um 2595 v.Chr.
begonnen wurde, da man an der Südwestecke ein Steinfragment mit der Datierung
„15. Jahr der Zählung“ gefunden hat. Mit diesem „Jahr der Zählung“ soll das 15.
Regierungsjahr des Snofru gemeint sein. Allerdings
wird von den Ägyptologen nie in Betracht gezogen, daß
Steinmetz-Gesellen in langer Tradition bereits vor
Tausenden von Jahren auf Wanderschaft gegangen sind und die heutige Gewohnheit,
sich an Orten mit den Namensinitialen oder sonstigen Hinweisen zu verewigen,
auch schon damals in Mode war. Bald werden wir verstehen, warum diese
offizielle Datierung anzuzweifeln ist.
Das besonders
Auffällige dieser Pyramide ist die Anordnung von drei galerieartigen Kammern,
von denen die ersten beiden über 12 m hoch sind! Das entspricht ungefähr der
Höhe eines viergeschossigen Wohngebäudes! Die drei Kammern der Roten Pyramide
wirken in ihrer Form wie die Große Galerie der Cheops-Pyramide mit nach innen auskragenden Steinlagen, das heißt, sie sind zur Decke hin
stufenweise nach innen versetzt. Die im Folgenden abgebildete dritte Kammer ist
sogar noch höher und auch in der Grundfläche etwas größer.
Abbildung 47:
Die dritte Kammer der Roten Pyramide
Gut zu
erkennen ist die relativ glatte Oberfläche der Steine. Beim genauen Betrachten
vor Ort konnte ich sehen, daß die Kanten an den nicht
beschädigten Stellen sehr sauber ausgearbeitet sind. Trotz vieler
Kantenbeschädigungen (aus späterer Zeit) sehen alle drei Kammern praktisch
perfekt aus, sowohl, was die architektonische Bauleistung, als auch, was die
präzise Verlegung der Steine betrifft. Die Steine besitzen immerhin eine
beträchtliche Größe, so daß sich ihr Gewicht in der
Größenordnung von Tonnen bewegt. Im Gang zwischen der ersten und zweiten Kammer
sind an beiden Enden zwei gewaltige Steine quer eingebaut worden, die zur
Auflage bis in die Wand hineinreichen. Allein der sichtbare Teil des Steines in
der zweiten Kammer ist 5,40 KE lang, 4,1 KE hoch und 2,3 KE tief (rund 2,83 ×
2,15 × 1,20 m). Berücksichtigt man, daß innerhalb der
Wand der Stein möglicherweise weitere 1,6 KE hineinreicht – damit wäre er genau
7,0 KE lang –, würde das Volumen eine Größe von 66,01 KE³ (~ 9,48 m³) betragen.
Das entspricht einem Gewicht von rund 25 t! Wie so oft fragt man sich auch
hier, welche Technologie die Erbauer besessen haben, um derartige Lasten zu
bewegen und hochpräzise zu setzen, wobei die Fuge zwischen zwei Steinen
lediglich runde 0,5 mm breit ist. Auf dieses Thema gehe ich zum Schluß des Buches nochmals ein.
In
Fortführung dieser Thematik möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein weiteres
Detail lenken. Von der ursprünglichen Außenverkleidung ist nur noch ein kleiner
Teil an der Ostseite erhalten. Diese Verkleidung ähnelt auffallend derjenigen
der Cheops-Pyramide, denn die Steine sind nicht nur sehr glatt geschliffen,
sondern ihre Fugen sind ebenso dicht, daß man nicht
einmal mit einer Messerspitze zwischen die Steine gehen könnte.

Abbildung
48: Fugenabstand zwischen zwei Steinen (Detailansicht aus
der Roten Pyramide)
Dieses Foto
zeigt im Ausschnitt zwei Basissteine der Roten Pyramide. Man erkennt, wie eng und linealgerade beide Steine aneinander liegen. Im
oberen Teil sind durch Erosion die Berührungsflächen viel deutlicher zu sehen,
obwohl die Steine in der Tiefe scheinbar ohne Luftspalt aneinander liegen.
Dieser Fakt
ist von besonderem Interesse, denn wer eine so ausgefeilte Technik besitzt, um
Steine in extremer Präzision parallel zu fertigen und die Pyramide von außen
glatt zu schleifen, muß auch ein gutes theoretisches
und technisches Hintergrundwissen besitzen. Da die verwendeten Steine in den
Kammern von ebenso vorzüglicher Oberflächenqualität sind, vermutete ich, daß in dieser Pyramide noch weitere Geheimnisse verborgen
sind, ohne anfangs zu wissen, worin diese bestehen könnten.
Zum Glück
hatte ich ein kleines Meßgerät mitgenommen, so daß ich fürs erste einige wichtige Daten ermitteln konnte.
Beim Überprüfen der Maße, insbesondere bei der Umrechnung in Königsellen,
stellte ich fest, daß es ein geometrisches und
mathematisches System gibt, das erst durch das „königliche“ Maß offenbart
werden kann. Leider blieben noch eine Reihe von Fragen
ungeklärt, da ich allein nicht alle Maße ermitteln konnte. Folglich nutzte ich
meinen nächsten Besuch im März 2004 dazu, das Fehlende nachzuholen. Auf dieser
Reise begleitete mich dieses Mal Andreas von Rétyi,
ein Bestseller-Autor (unter anderem Die Stargate-Verschwörung – Geheime Spurensuche in Ägypten),
der ebenfalls Recherchen für ein weiteres Buch in Ägypten durchführte.
Abbildung 49:
Andreas von Rétyi in der Roten Pyramide
Gemeinsam
haben wir uns bemüht, soviel wie möglich an Details zu erfassen, um dann die
verborgene Mathematik und Geometrie in Deutschland lösen zu können. Bei dieser
Arbeit füllte sich mein Arbeitsheft nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit
Schweißtropfen, denn innerhalb der Pyramide gibt es keine Luftzirkulation. Zum
Glück hatten wir an diesem Tag die Pyramide so gut wie für uns allein. So
konnten wir ungestört das fehlende Datenmaterial ermitteln.
Nach der
Rückkehr nach Deutschland war die Analyse der Meßergebnisse
eine der ersten Aufgaben. Die Überraschung ließ dann auch nicht lange auf sich
warten.