3.4. Die Berechnung des Pyramidions

Ich erwähnte bereits, daß es Kontrollschichten und vor allem ein letztes Kontrollmaß zur Positionierung des „Pyramidions“, des pyramidenförmigen Abschlußsteins, gegeben haben muß, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, bis zum Abschluß des Bauwerkes die geplanten Parameter zu erreichen. Mit anderen Worten, ohne diese Präzision wäre die Pyramide krumm, schief, etwas uneben oder verdreht herausgekommen, und vor allem, das Pyramidion würde sich nicht über der Mitte der Pyramide befinden.

Die Größe des letzten Kontrollmaßes ist auch von entscheidender Bedeutung, wenn man das innere Prinzip der Cheops-Pyramide erfassen will. Folglich bemühte ich mich, gerade dieses Maß zuerst herauszufinden.

Als Primärdaten standen mir hierzu die Vermessungsergeb­nisse von Petrie zur Verfügung. Petrie vermaß alle damals verbliebenen 203 Steinschich­ten, während es heute nur noch 201 sind. Im Durchschnitt nahm deren Dicke zur Spitze hin unregelmäßig, aber insgesamt kontinuierlich ab. In Abbildung 12 sind die obersten Lagen der Cheops-Pyramide zu sehen, während Abbildung 13 die Meßergebnisse zeigt, wie sie Petrie für die obersten 26 Steinschichten ermittelte. Dabei bedeuten die vertikalen Linien mit der Beschriftung 10, 20, und 30 die Dicke der Schichten in Zoll. Mit dem Balkendiagramm wurden die ermittelten Werte der Dicken grafisch dargestellt, so daß sofort erkennbar ist, welche Schichten dicker oder dünner sind. Im Tabellenteil mit den Zahlen sind die Meßpunkte an der Nord-Ost-Ecke (N.E.) und der Süd-West-Ecke (S.W.) aufgeführt. Zu beachten ist, daß die vertikale Linie, die eine Schichtdicke von 10 Zoll repräsentieren soll, mitten durch die Zahlenreihe verläuft. Petrie machte dies, weil keine Schicht in dieser kleinen Größenordnung liegt.

Abbildung 13: Die Analyse der Dicke der obersten Steinschichten der Cheops-Pyramide (vermessen von Petrie)

Geht man von der Annahme aus, daß für die Auflagefläche des Pyramidions eine besondere Höhe als Kontrollpunkt vorgegeben war, muß sich diese theoretisch nachvollziehen lassen. Die Frage lautet nur, wie viele Schichten gab es im inneren Aufbau tatsächlich? Sicher ist, daß die 203. Schicht nicht die letzte war. Das Rätsel läßt sich meiner Auffassung nach nur lösen, wenn man einerseits die heilige Geometrie beachtet und andererseits bestimmte Zahlen mit berücksichtigt, denen die ägyptischen Priester zentrale Qualitäten zuschrieben.

Um eine mögliche Lösung einzukreisen, soll zuerst die von der Ägyptologie ausgewiesene Gesamthöhe der Cheops-Pyramide von circa 146,65 m in Beziehung zu der Höhe der 203. Steinschicht (5.451,8 Zoll = 138,46 m) gesetzt werden. Die Differenz bis zur theoretischen Spitze beträgt rund 8,19 m. In dieser Größenordnung gab es in ganz Ägypten zu keiner Zeit ein Pyramidion, zumal es – bei einer Höhe von gut 8 m und aus Stein bestehend – schätzungsweise 1200 t schwer gewesen wäre.

Von den Schichten, die Petrie vermaß, besitzen die letzten sieben lediglich noch eine durchschnittliche Höhe von 22,3 Zoll (rund 56,6 cm), wie aus Abbildung 13 hervorgeht. Das weist eindeutig darauf hin, daß zur Spitze hin mit geringeren Höhen zu rechnen ist. Bei den fehlenden 8,19 m wären demzufolge noch etwa 14 Schichten möglich gewesen, die selbstverständlich nicht alle gebaut worden sind, weil sonst das Pyramidion keinen Platz mehr gehabt hätte. Interessant ist aber, daß mit dieser hypothetischen Zahl von 14 Schichten insgesamt eine Größenordnung von 217 Schichten erreicht wird, in deren Nähe eine sehr mystische Zahl liegt: die 216. Diese drückt nicht nur das Ergebnis von 6×6×6 aus, sondern ist auch mit der Dauer des Durchlaufes unseres Sonnensystems durch ein Sternbild (= 2160 Jahre) verknüpft. Ebenso markant tritt dieser Wert bei den Pyramiden in Teotihuacan (Mexiko) auf, worauf ich später noch genauer eingehen werde. Nicht zuletzt soll erwähnt werden, daß das menschliche Skelett aus 216 Knochen besteht!

Damit haben wir zwar eine hübsche Anzahl von Schichten, aber noch lange nicht deren Höhe. Um hier einen Schritt voranzukommen, habe ich als nächstes versucht, das Pyramidion zu rekonstruieren. In der verfügbaren Literatur findet man keinen Hinweis auf das Pyramidion, weshalb zum Teil aus Unkenntnis extrem große Maße angenommen wurden. Über eine mir zugängliche Quelle erfuhr ich, daß das Pyramidion ein Volumen von 2000 Kubikzoll gehabt haben soll und eine sehr geringfügige Abweichung von der Neigung zur Seitenwand besaß. Trotz dieses Wissens erwies sich die Rekonstruktion als eine harte Nuß, die nicht leicht zu knacken war. Das Hauptproblem hierbei war die eigene Erwartungshaltung, ein besonderes und rundes Maß für die Kantenlänge zu finden. Nach etlichen Mühen hatte ich dieses Rätsel gelöst, das ungewöhnlich faszinierende Werte aufwies, mit denen ich in keiner Weise gerechnet hatte. Wenn ich von faszinierend rede, so ist das in Wirklichkeit noch eine Untertreibung, denn wer eine solche Konstellation zu „komponieren“ vermochte, muß schon ein sehr weiser Geist gewesen sein, der auch unter den heutigen Mathematikern eine hervorragende Stellung einnehmen würde.

In Abbildung 14 sind diese Maße dargestellt.

Abbildung 14: Das Pyramidion mit 2000 Kubikzoll Volumen

Wie aus den Maßangaben zu erkennen ist, liegt die Wahrheit in den Wurzelzahlen. Würde man dagegen für die Wurzelzahlen deren Ergebnisse einsetzen, wären es „nichtssagende“ Zahlen, denn klingt deutlich besser als das Ergebnis 21,0818... Zoll oder 53,548008...cm.

Auch die Höhe hat es in sich. 13,5 Zoll (= 34,29...cm) sind nichts anderes als die Hälfte von 27 oder 3³. Diese Zahl wird uns auch beim Sarkophag wieder begegnen und dort ihre Bedeutung enthüllen. Mit dieser Konstruktion besaß das Pyramidion eine Neigung von 52°1’1,02’’, die rund 0,16° größer war als die Neigung der Seitenflächen der Pyramide.

Wenn man das Pyramidion mit diesen Maßen als eine ernst zu nehmende Annahme betrachtet, bleiben bei der aktuell ausgewiesenen Höhe der Pyramide von rund 146,65 m (= 5773,6105 Zoll) abzüglich der Höhe des Pyramidions noch rund 5760,1105 Zoll übrig. Da man auch eine Fuge einplanen muß, läßt sich für die Höhe der 216 Steinschichten ein theoretischer Rechenwert von 5760 Zoll ableiten. Das sind im Durchschnitt exakt Zoll pro Schicht. In diesem Wert sind die heiligen Zahlen 3 und 8 enthalten, die dem Ganzen einen ersten glaubhaften Ansatz verleihen. Zerlegt man die Zahl 5760, ist unter anderem folgende Kombination möglich: 3² × 8² × 10. Die gleichen Ziffern erscheinen in genau dieser Kombination auch in der oben erwähnten durchschnittlichen Schichtdichte (in Zoll), was meine theoretische Berechnung der Gesamthöhe der Pyramide (ohne Pyramidion) in ihrer Glaubhaftigkeit stützt.

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