Einer der
hauptsächlichen Anwendungsbereiche der heiligen Geometrie ist die Architektur.
Dieser Bereich interessiert uns hier besonders, weil die architektonischen Werke
die konkretesten, in vielen Fällen auch die einzigen Spuren sind, die wir von
den Pyramiden-Erbauern noch haben. Wenn ein Bauwerk stehen soll, ganz zu
schweigen davon, wenn es Jahrtausende überdauern und ein Monument alten Wissen sein soll, dann muß es richtig gebaut bzw.
codiert sein. Eine sinnvolle Codierung ist nur möglich, wenn sie einerseits mit
einer heiligen Geometrie verknüpft ist und andererseits mit einheitlichen
Maßsystemen, die möglichst vielseitig anwendbar sind.
Wie in den
folgenden zwei Kapiteln gezeigt wird, enthalten die alten Maßsysteme in sich
bereits erstaunliche Bezüge. Denn jedes Maßsystem steht in einem Bezugssystem;
das der heiligen Geometrie ist ein kosmisches.
Die in der
Schulweisheit vermittelte Auffassung besagt, daß die Maße des Altertums und des
Mittelalters auf subjektiven Festlegungen beruhten. Als Beispiele seien
genannt: Elle, Handbreit, Finger, Fuß und Faden. Unzweifelhaft sind viele
Maßsysteme subjektiv, z.T. sogar willkürlich festgelegt worden. Doch von Anfang
an zweifelte ich an der Annahme, daß es hier keine Ausnahmen geben soll. (Und
ich wurde in meinem Zweifel schnell bekräftigt.)
Als erstes
möchte ich die ursprünglichen Maße und ihre Bezugssysteme herausarbeiten, denn
dadurch bekommen wir das Rüstzeug, das wir für die späteren Erkenntnisse in
diesem Buch brauchen. Ich möchte dort beginnen, wo auch meine diesbezüglichen
Forschungen begonnen haben, beim so genannten Britischen Maßsystem mit Zoll,
Fuß und Yard.
Betrachten
wir als erstes den Zoll, der im
englischen Sprachraum inch genannt
wird. Die heute allgemein vorherrschende Auffassung besagt, daß dieses
veraltete Maß nach der Länge des ersten Daumengliedes festgelegt wurde und aus
dem Mittelalter stammt.
Es gibt
jedoch eine zweite Auffassung, wonach ein Zoll mit der Länge von 12
Weizenkörnern (= 2,54 cm) gleichgesetzt wird. Dieser Maßbezug soll unter
Charles II. festgelegt worden sein, der 1651 König von Schottland wurde und
1660 in London auch zum König von England ernannt wurde. Es entzieht sich heute
unserer Kenntnis, in welchem Jahr seiner Herrschaft diese Festlegung getroffen
worden sein soll. Auffallend ist nur, daß dies in eine Epoche des
wissenschaftlichen Aufbruchs fällt, in der man begann, Regeln für
wissenschaftliches Arbeiten aufzustellen, um alles wissenschaftlich, d.h.
rational erklären zu können. Im Jahr 1662 schuf Charles II. durch einen
königlichen Erlaß die Grundlagen für die Gründung der Royal Society in London, dem ersten Zusammenschluß von
Wissenschaftlern und Ingenieuren. Es war jene Zeit, wo man glaubte, mit dem
Spuk des Mystizismus endlich Schluß machen zu müssen. Und als erstes sollte
natürlich die Wissenschaft davon frei sein.
An dieser
Gründung der Royal Society hatten
englische Freimaurer, die mit altem Wissen vertraut gewesen sein mußten,
wesentlichen Anteil. Dazu gehörte auch der berühmte Architekt Sir Christopher
Wren (1632-1723), der die Londoner Kathedrale „St. Paul’s Cathedral“ plante und
die im Wesentlichen unter seiner Leitung errichtet wurde.
Dieser Mann
ist insofern interessant, weil er als begabtes Kind im Alter von 17 Jahren mit
ersten Erfindungen aufwartete. Weil sein Vater der Kaplan des Königs, hatte er
die Möglichkeit, bereits in seiner Kindheit mit dem zwei Jahre älteren Prinzen,
dem späteren Charles II., in Windsor Castle zu spielen, wodurch zwischen ihnen
eine enge Freundschaft entstand. Der begabte Wren wurde ein brillanter
Naturwissenschaftler, den man mit 25 Jahren zum Astronomie-Professor ernannte.
Bald scharte er eine Reihe weiterer Wissenschaftler um sich, die sich
regelmäßig trafen. Diese Gruppe war es, aus der – mit Unterstützung des Königs
– die genannte Royal Society hervorging.
Eines der bekanntesten Mitglieder der Royal Society ist Sir Isaac Newton, der
1672 als „Fellow“ aufgenommen wurde.
Die zu dieser
Zeit aufkommende Wissenschaft berief sich auf die von dem Philosophen Francis
Bacon (1561-1626) aufgestellte Theorie, wonach die Wissenschaft für immer durch
die Herrschaft der menschlichen Vernunft bestimmt sein soll. Bacon hatte in
seinem Werk Novum Organumn Scientiarum neue
Methoden der Naturerkenntnis formuliert, wobei er forderte, daß jegliche
Wissenschaft auf der Grundlage von Induktion, Analyse, Vergleich, Beobachtung
und Experiment stattzufinden habe. Mit seinem Werk legte er die theoretischen
Grundlagen dafür, den Mystizismus aus der Wissenschaft zu verbannen. Folglich
konnte der uralte Maßbezug des Zolls, auf den wir gleich zu sprechen kommen,
niemals akzeptiert werden. Er mußte folglich durch Experimente an geeigneten
Objekten „wissenschaftlich“ definierbar sein. Daß man sich später hierzu
Weizenkörner aussuchte, spricht allerdings von wenig Einfallsreichtum!
Daß dem Zoll
mit Hilfe von 12 Weizenkörnern ein neues Image verschafft wurde – man kann es
tatsächlich so bezeichnen –, mag also durchaus den Grund der
„Verwissenschaftlichung“ gehabt haben. Daß englische Freimaurer einer solchen
Änderung zugestimmt haben, ist allerdings verwunderlich und ist möglicherweise
folgenden Ursachen zuzuschreiben:
1)
Auf
diese Weise konnte man altes Geheimwissen verbergen, oder
2) in den eingeweihten Kreisen Englands war
dieses Wissen bereits verloren gegangen.
Zum ersten
Grund muß man ergänzen, daß es der Allgemeinheit absolut egal ist, auf welcher
Basis ein Zoll ermittelt wird. Auch heute ist es für den Menschen, der einen Metermaßstab
benutzt, völlig uninteressant, wie der Meter mit dieser Länge entstanden ist.
Für den hinterfragenden Wissenschaftler ist dieses Wissen jedoch nicht nur
interessant, sondern auch wichtig. Da dem Zoll eine Herkunft nachgesagt wird,
die man im heutigem Sprachgebrauch als „mystisch“
bezeichnen müßte, ist es für einen materialistisch denkenden Wissenschaftler
unannehmbar, mit einer solchen Hinterlassenschaft zu leben. Wir können heute
nicht Bestimmtheit sagen, ob dies der Grund war, den die Wissenschaftler damals
bewog, dem englischen König eine Neubestimmung des
Zolls zu unterbreiten. Dieser selbst hatte sich wohl kaum näher mit dem Thema
befaßt, sondern sanktionierte einfach nur das Vorgelegte.
Die
Vermutung, daß mit dieser Neubestimmung altes Geheimwissen verborgen werden
sollte, mag auf den ersten Blick plausibel klingen. Dem steht aber ein
entscheidender Fakt entgegen. Der Zoll wurde in England und in den USA
unterschiedlich definiert. In Amerika wurde der Fuß auf Basis der metrischen
Proportion
[m] festgelegt!
Ein Fuß
umfaßt 12 Zoll. Das Erstaunliche hierbei ist, daß der Fuß hier mit einem
Meterverhältnis angegeben wird. Meter und Fuß bzw. Zoll werden hier also in einen
direkten Bezug gesetzt, haben also eine gemeinsame Berechnungsbasis. Wohl
gemerkt, hier habe ich das Wort Berechnungsbasis verwendet, und das hat etwas
mit Mathematik zu tun (und nicht bloß mit Körnchenzählen)! Aber wie kann ein so
altes Maßsystem wie das Britische eine Berechnungsgrundlage haben, die in einem
direkten Verhältnis zum metrischen System steht? Ergänzen muß ich an dieser
Stelle, daß ich diesen Hinweis erst fand, als ich die Ergebnisse des
nachfolgenden Abschnittes bereits herausbekommen hatte.
Einen Moment
möchte ich noch bei den Amerikanern verbleiben. Auf der durch Freimaurer
kreierten 1-Dollar-Note ist eine Geometrie verborgen, die sowohl Zoll als auch
Zentimeter beinhaltet. Freimaurer bezeichnen sich als Bewahrer alten Wissens,
dessen Wurzeln bis nach Ägypten zurückreicht, und da sollen sie zugestimmt
haben, den Zoll mit der fragwürdigen Methode des Zählens von 12 Weizenkörnern,
die je nach Wahl und Ernte unterschiedlich groß sein können, zu definieren? Und
dann sollen sie dieses willkürliche Maß auch noch auf der 1-Dollar-Note
verewigt haben? Um es schlicht zu formulieren: An dieser Logik ist etwas faul!
Natürlich
werfen diese Hintergründe gleich eine ganze Fülle von Fragen auf. Die
naheliegendste wäre: Was soll dieser Unsinn? Aber ich habe heraus bekommen, daß
es kein Unsinn ist. Ganz im Gegenteil: Hier liegt etwas verborgen, das
jeglichen Rahmen sprengt!
Vorher möchte
ich aber noch auf den zweiten möglichen Grund einzugehen. Wußten die englischen
Freimaurer noch etwas von dem alten Geheimwissen oder nicht? Ich kann dies
nicht mit Sicherheit beantworten, tendiere aber zu der Auffassung, daß in
England dieses Wissen bereits verloren gegangen war. Aber ist das nicht ein
Widerspruch? Das Große Siegel der Vereinigten Staaten von Amerika mit einer
Grundfläche von exakt einem Quadratzoll wurde am 20. Juni 1782 offiziell
angenommen. In England wurde aber unter Charles II., der 1685 starb, rund 100
Jahre zuvor ein „lächerlicher“ Zoll neubestimmt.
Eine mögliche
Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch finden wir in der frühen
Geschichte der Freimaurer, wie sie von den beiden freimaurerischen Autoren
Christopher Knight und Robert Lomas beschrieben wird. Besonders interessant für
uns ist der geschichtliche Leerraum zwischen dem Untergang der Tempelritter
Anfang des 14. Jahrhunderts (eingeleitet durch den Niederschlag in Frankreich
am 13. Oktober 1307 durch die vereinten Kräfte von Papst und König) und dem
Auftauchen der Templernachfahren unter dem neuen Namen „Freimaurer“ in England
Anfang des 18. Jahrhunderts. Die beiden Autoren präsentieren Beweise dafür, daß
es einem Teil der Templerflotte nach der Zerstörung des Templerordens gelang,
den amerikanischen Kontinent zu erreichen, während der andere Teil in das
exkommunizierte Schottland entkam. Es ist also zu vermuten, daß die übrig
gebliebenen Wissensträger nach der Zerschlagung des Templer-Ordens eine
Aufsplitterung erfuhren. Angesichts dieser realen Möglichkeit ist es
keinesfalls mehr abwegig anzunehmen, daß englische und amerikanische Freimaurer
unterschiedliches Wissen besaßen.
Bekräftigt
wird diese Annahme durch die erwähnte Berechnung des amerikanischen Fußes auf
Basis der metrischen Proportion
[m]. Eine solche mathematische
Proportion kann nicht aus heiterem Himmel gefallen und wurde bestimmt auch
nicht einfach von Ureinwohnern übernommen. Dieses Wissen kann nur von Menschen
kommen, die ein besonderes Wissen hatten, das dem Normalbürger völlig unbekannt
ist. Es gibt daher nur eine einzige Erklärung: Diese mathematische Festlegung
wurde in Amerika von Freimaurern getroffen, die noch mehr wußten als ihre
englischen Brüder. Sie hinterließen mit dieser winzigen Formel in Form einer
Proportion etwas, worüber sich heute kein Mensch mehr Gedanken macht – obwohl
diese Information eine große Bedeutung und Tragweite hat.
Nach diesen
Vorbemerkungen möchte ich im nächsten Abschnitt auf den mystischem Hintergrund
des Zolls eingehen, dessen Herkunft das reinste Abenteuer ist.