10. Das königliche Maß in den Ländern des Mittelmeerraumes

Heute lautet eine weitverbreitete Meinung, die Königselle sie lediglich im pharaonischen Ägypten angewendet worden. Ist es aber wirklich so? Oder hat Moses aus Ä­gypten vielleicht etwas mehr mitgebracht als nur die 10 Gebote und göttliche Botschaften? Bevor wir die deutlich breitere Anwendung der Königselle und der von ihr abgeleiteten Maße betrachten, möchte ich die Königselle unter einem völlig anderem Aspekt betrachten, der im ersten Moment abstrakt mathematisch klingt, aber leicht zu verstehen ist und auf einen bedeutungsvollen Zusammenhang hinweist.

Wenn man das 100-fache der Königselle in die Primzahlteiler aufteilt, so kommt man zu folgendem Ergebnis:

2×2×7×11×17 = 5236

Offensichtlich läßt sich eine Königselle bequem durch die Primzahlen 7, 11 und 17 teilen. Das für uns Ungewöhnliche ist, daß sich das altägyptische Maßsystem auf einer durch 7 geteilten Ordnung aufbaut.

Tabelle 30: Das altägyptische Maßsystem

Name

übersetzt

Faktor

zu [KE]

theoretisch

[cm]

altägyptisch

[cm]

Sop

Hand

1/7

7,48

7,50

-

-

2/7

14,96

-

erta net’s

kleine Spanne

3/7

22,44

22,50

Erta

große Spanne

1/2

26,18

26,20

ser, t’eser

Arm, griech.: Fuß

4/7

29,92

29,90

remen

Oberarm

5/7

37,40

37,40

mahi net’s

kleine Elle

6/7

44,88

44,90

mahi suten

Königselle

7/7

52,36

52,34

Kurioserweise wird für den Wert von 2/7 einer Königselle kein altägyptisches Maß ausgewiesen. Hier ist unklar, ob dieses Maß in der Überlieferung verlorengegangen ist oder nie mit einem Namen bezeichnet wurde. Zusätzlich eingefügt wurde in das Siebener-System das Maß für eine halbe Königselle, das wohl mehr aus praktischen Gründen eingeführt wurde.

Die „Hand“ mit 7,48 cm Länge stellt ein relativ großes Maß dar, das für bestimmte Bedürfnisse zu grob war. Aus diesem Grunde wurde die „Hand“ nochmals in „Finger“ unterteilt. Da die menschliche Hand 4 Finger und einen Daumen besitzt, war das abgeleitete Maß ein Viertel einer „Hand“ mit 1,87 cm Länge (1+87 = 88). Das Maß „Hand“ entsprach etwa der Breite der vier Finger im Bereich des Übergangs vom ersten zum zweiten Glied des Zeigefingers und konnte daher leicht seine kosmische Herkunft verheimlichen.

In dem zitierten Handbuch (siehe Fußnote 59) wird das Längemaß „Finger“ exakt mit dem gleichen Wert von 1,87 cm angegeben. Es ist daher nicht begreiflich, warum in diesem Handbuch trotz der bekannten Proportionen die Nachfolgewerte gerundet wurden, weshalb Werte aufgeführt werden, die vom korrektem Maß geringfügig abweichen. Mit dem bekannten Maß für ein „Finger“ wäre es ein leichtes gewesen, alle anderen Maße korrekt zu bestimmen.

Zu diesem Längenmaß ist noch folgendes zu ergänzen.  Der „Finger“ war im vorderen Orient während der Zeit der Antike als Maß so gängig wie heute der Zentimeter. In den einzelnen Ländern war er mit geringfügigen Abweichungen festgelegt, so dass es „Finger“-Maße gab, die von 1,85 bis 1,91 cm reichten. Diese entstanden vermutlich durch Toleranzen in der Fertigung von Maßstäben, die sich im Laufe der Zeit zu Abweichungen von bis zu 0,4 mm aufsummierten. Dadurch wurde allmählich verschleiert, daß die Königselle das primäre Maß war, von dem der „Finger“ abgeleitet wurde.

Als Moses aus Ägypten auszog, nahm er das Maß mit, das für die Ägypter heilig war: die kleine Elle von 44,88 cm, die von nun an „amma“ hieß. Im Verlaufe der Zeit schlichen sich bei der Vervielfältigung der kleinen Elle ebenfalls kleine Fehler ein, so daß heute ein um 0,2 mm vergrößertes Maß überliefert ist. Es entzieht sich heute unserer Kenntnis, ob Moses durch die Veränderung des altägyptischen Wissens über die Maße grundsätzlich mit den Ägyptern brechen wollte und deswegen eine neue Unterteilung erfand, oder ob dies erst später geschah. Es ist auch nicht bekannt, ob die ursprüngliche Siebener-Teilung eine Weile in Israel überlebt hat oder nicht. Die in Tabelle 31 aufgeführten Maße sind dagegen jene, welche die Zeiten überdauert haben.

Tabelle 31: Das Maßsystem der Hebräer

Name

übersetzt

Faktor

zu [Elle]

Faktor

zu Finger

theoretisch

[cm]

hebräisch

[cm]

esba

Finger

1/24

1

1,87

1,875

tepach

Handbreit

1/6

6

7,48

7,500

zeret

Spanne

3/6

12

22,44

22,500

amma

Elle

1

24

44,88

45,000

qaneh

Rute, Rohr

6

144

269,28

270,000

Vergleicht man diese Werte mit den in Tabelle 30, wird ganz offensichtlich, daß das hebräische Maßsystem seinen Ursprung in Ägypten hat, denn die Abweichungen sind durch Rundungen derart gering, daß man von einer ursprünglichen Identität beider Maßsysteme ausgehen kann. Die Ergänzung dieses Systems mit dem Maß Rute bzw. Rohr besitzt eindeutig einen heiligen Bezug. Wer käme auf eine die Idee, die Zahl 144 in einem Maß zu integrieren, wenn nicht die Priester. Das bedeutet aber auch, daß die Hebräer über die Bedeutung der Zahlen bis hin zur 144 Bescheid gewußt haben müssen, denn kein Maß wird ohne Grund festgelegt. Da wir über die Zahl 27 zwischenzeitlich Bescheid wissen, brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn die Quersumme aller Einzelziffern von 269,28 cm den Wert 27 ergibt. Wenn ein Maß eine besondere Bedeutung besitzt, dann aber auch gleich mit allen Feinheiten und einer Codierung über das alte geheime Wissen.

Im Alten Testament heißt es über den Propheten Hesekiel, daß im 25. Jahr der babylonischen Gefangenschaft (ca. 573 v. Chr.) „die Hand des Herrn über ihn kam“ und ihn (im Geist?) nach Israel führte.

„Und als er mich dorthin gebracht hatte, siehe, da war ein Mann, der war anzuschauen wie Erz. Er hatte eine leinene Schnur und eine Meßrute in seiner Hand und stand unter dem Tor. [...] Und siehe, es ging eine Mauer außen um das Gotteshaus ringsherum. Und der Mann hatte die Meßrute in der Hand; die war sechs Ellen lang – jede Elle war eine Handbreit länger als eine gewöhnliche Elle. Und er maß das Mauerwerk; es war eine Rute dick und auch eine Rute hoch.“

Hier wird beschrieben, welche Rute der Mann, der wie Erz anzuschauen war, verwendete. Es ist die hebräische Rute mit 269,28 cm Länge, bestehend aus 144 Fingern bzw. 6 Ellen von je 44,88 cm Länge. Der Hinweis auf eine gewöhnliche Elle, die eine Handbreit (7,48 cm) kleiner und somit 37,4 cm lang ist, verweist auf den ägyptischen Remen. Da im hebräischen Maßsystem die Königselle keine Bedeutung besitzt, kann es auch keine Rute auf Basis dieses Maßes sein, denn dann wäre die gewöhnliche Elle diejenige, die 44,88 cm lang ist.

Im Gegensatz zu den Hebräern war bei den Ägyptern die Königselle mit 52,36 cm die entscheidende heilige Elle. Diese Königselle wurde von den Göttern für ihre Bauten verwendet und den ägyptischen Priestern als Maß gegeben. Möglicherweise wurde es aus Respekt vor den Göttern ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch gelehrt, aber nicht mehr verwendet.

Übrig blieb das um ein Siebentel kleinere Maß, das dann zum heiligen Maß wurde. Somit ist klar, daß die Meßrute der Bibel mit der hebräischen Rute identisch ist. Im weiteren Verlauf der Ausführungen von Hesekiel wird eine prophetische Tempelanlage beschrieben. Dabei werden einige bemerkenswerte Maßangaben genannt. So war der heilige Bezirk der Tempelanlage mit einer Mauer von 500 × 500 E² (= 250 000 Quadrat-Ellen auf Basis der „amma“) umgeben. Das sind auf jeder Seite 224,40 m. Die Torhäuser an jeder Seite besaßen eine Ausdehnung von 50 × 25 Ellen (22,44 × 11,22 m). Mit diesen Maßen nahmen alle Torhäuser 5000 E² ein, was einem Fünfzigstel der Gesamtfläche entspricht. Auch mit der Fülle weiterer Maße, die Hesekiel gegeben wurden, wird deutlich, daß ihm eine geometrisch perfekte Anlage gezeigt wurde, die nach den Prinzipien der heiligen Geometrie gebaut war.

In der Geschichte spielt ein weiteres Volk eine entscheidende Rolle, das sein Wissen aus Ägypten bezogen hat. Es ist überliefert, daß der griechische Staatsmann Solon auf seinen Reisen auch Ägypten besuchte. In einem Gespräch mit Priestern wurde ihm unter anderem gesagt:

„O Solon, Solon, ihr Hellenen [Griechen] bleibt doch immer Kinder, und einen alten Hellenen gibt es nicht. [...] Ihre seid alle jung an Geiste, denn ihr habt keine Anschauung, welche aus alter Überlieferung stammt, und keine durch die Zeit ergraute Kunde.“

Bei diesen „Staatsgesprächen“ wurde vermutlich eine Art Vertrag abgeschlossen, der besagte, daß zukünftig Griechen an ägyptischen Priesterschulen ausgebildet werden dürfen. Pythagoras war einer der ersten Schüler und blieb 22 Jahre in Ägypten, womit deutlich wird, daß er die zwei Schulen des rechten und des linken Auges des Horus durchlaufen hat. Der nach ihm benannte „Satz des Pythagoras“ stammt daher definitiv nicht von ihm. Von seinem „Auslandsstudium“ hat er ein umfangreiches Wissen und das Pentagramm mitgebracht, das später über dem Eingang zu seiner Schule gehangen haben soll. Von seinem umfangreichen Werk ist leider nur ein kleiner Teil überliefert, und von dem, was überliefert ist, wird wiederum nur ein bescheidener Teil in den heutigen Lehranstalten erwähnt.

Es ist nicht überliefert, ob die ägyptischen Priester ihm auch die Maßordnung beigebracht haben. Es ist allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß er derjenige Wissensträger war, der auch in bezug zum griechischen Maßsystem die entscheidenden Akzente gesetzt hat.

Betrachten wir uns nun das griechische Maßsystem:

Tabelle 32: Das griechische Maßsystem

Name

übersetzt

Faktor

zu Elle

theoretisch

[cm]

griechisch

[cm]

daktylos

Finger

1/24

1,87

1,85

kondylos

Gelenkbreite

1/12

3,74

3,7

palaiste

Hand

1/6

7,48

7,4

spithame

Spanne

3/6

22,44

22,2

pous

Fuß

4/6

29,92

29,6

pechys

Elle

1

44,88

44,1

orgya

Klafter

4

179,52

177,6

 

Auch hier beginnt das Maßsystem mit dem „Finger“, der im Verlaufe der Zeit um 0,2 mm geschrumpft ist und somit mit dem altrömischen „Finger“ übereinstimmt. Trotz alledem ist eine auffällige Übereinstimmung mit dem primären ägyptischen Maßsystem und dem abgeleiteten hebräischen Maßsystem festzustellen, so daß sich jeder weitere Kommentar erübrigt. 

Als letztes soll noch auf das römische Maßsystem eingegangen werden. Es ist aus der Geschichte bekannt, daß Rom Kriege gegen Ägypten geführt hat. Neben dem Kriegstribut dürfte aber auch das Maßsystem der Ägypter in die Hände der Römer gefallen sein. Deren Maßsystem baut ebenfalls auf einer Elle auf, die mit einer Länge von 44,4 cm offensichtlich mit der der kleinen ägyptischen Elle verwandt ist.

Im erwähnten Handbuch der Zahlen, Maße, Gewichte und der Zeitrechnung wird das Längenmaß „Finger“ als die „architektonische Unterteilung des pes = Fuß“ bezeichnet.

Tabelle 33: Das römische Maßsystem

Name

übersetzt

Faktor

zu Elle

theoretisch

[cm]

römisch

[cm]

1/16 pes

(Finger)

1/24

1,87

1,85

palmus

Hand

1/6

7,48

7,4

2 palmi

2 Hände

2/6

14,96

14,8

3 palmi

3 Hände

3/6

22,44

22,2

pes

Fuß

4/6

29,92

29,6

palmipes

Hand plus Fuß

5/6

37,40

37,0

cubitus

Elle

1

44,88

44,4

Betrachtet man die verschiedenen Maßsysteme, die rund um das Mittelmeer in Gebrauch waren, findet man die kleine ägyptische Elle mit 44,88 cm als das Vorzugsmaß, von dem analog zum ägyptischen Vorbild Untermaße abgeleitet wurden, die mit dem Maß „Finger“ ihre kleinste Unterteilung fanden.

Natürlich wurden in den genannten Ländern weitere Maße verwendet. Besonders einfallsreich waren die Römer, die den Fuß zusätzlich in einer unzialen Unterteilung bis auf eine Größe von 1/288 teilten, was rund 1 mm entspricht. Ebenso leiteten sie nach oben weitere Maße ab, so wie wir den Kilometer vom Meter. So hatten die Römer zum Beispiel eine Meile, die 5000 Fuß (theoretisch: 1,496 km, bei den Römern 1,480 km) entsprach. Dieser relativ große Unterschied entstand aufgrund der fehlenden 3,2 mm, durch die sich der römische „Fuß“ vom Planmaß der Ägypter unterschied. Bei einer Meile schlug sich diese Differenz bereits mit 18 m zu Buche. Gerade bei den größeren Maßen vermehren sich die Abweichungen vom ursprünglichen Planmaß sehr deutlich, weshalb der ursprüngliche Zusammenhang im Laufe der Zeit buchstäblich aus den Köpfen der Menschen verschwand. So ist es kein Wunder, daß die heutige Wissenschaft glaubt, sämtliche Maße seien von Menschen erdacht worden.

Die Ausführungen aller vorangehenden Kapitel zeigen, daß dies nur eine Teilwahrheit ist. Primär wurde die beginnende Zivilisation der Menschheit in der Form begleitet, daß die entscheidenden Maßsysteme dem Menschen gegeben wurden!

Mit diesen Aussagen könnte normalerweise der fachliche Teil des Buches beendet werden. Doch ich habe bereits im ersten Teil des Buches darauf aufmerksam gemacht, daß am Ende des Buches nähere Ausführungen zu den mathematischen „Geheim-Codes“ folgen werden. Ich hob dies für den Schluß auf, damit der Lesefluß nicht durch einen solchen Einschub gestört wurde. Diese Thematik ist zugegebenermaßen sehr speziell und ist nur für diejenigen Leser gedacht, die sich damit näher beschäftigen möchten. Es stellt kein Problem dar, das nächste Kapitel einfach zu überspringen, um gleich zum letzten Kapitel überzugehen, in dem ich auf die Frage eingehen möchte, die sich bereits eine Vielzahl von Menschen stellen: Wer hatte dieses Wissen?

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